Kriegsverbrechen: Opfer werden zu Tätern

Es gibt keinen Krieg in dem sich nicht auch die vermeintlich gute und gerechte Partei die Finger schmutzig macht.

Wir haben den toten Gaddafi in den Nachrichten gesehen. Vermutlich konnten die Sieger ihre Rachegefühle nicht im Zaum halten und haben einen Lynchmord an einem Täter begangen. Viele Politiker unserer Demokratien zeigten dieses Mal keine öffentliche Freude wie beim Tod Osama Bin Ladens, aber sie werden genauso froh gewesen sein, dass er tot ist und ihnen die peinlichen Aussagen vor einem Gericht mit international anerkannten Rechtsnormen erspart bleiben. Viele Regierungen hatten noch vor einem Jahr die Ölquellen und nicht die Menschenrechte in Libyen im Auge. Selbstverständlich hat der tote Diktator die härteste Strafe nach einem fairen Prozess verdient. Jedoch sein Ende und die Lynchmorde an seien Gefolgsleuten in seinem Geburtsort Sirte lassen Schlimmes in Sachen Menschenrechten befürchten.

Bis auf einige Menschenrechtler wird die Welt schweigen, so wie sie geschwiegen hat, als in den von den Nazis befreiten Ländern grausame Rache an tausenden Deutschen genommen wurde, unabhängig davon, ob es eine Schuld gab oder nicht. Jetzt, nach 66 Jahren, werden von den nachfolgenden Generationen die verheimlichten Kriegsverbrechen offen gelegt. Vielleicht muss das so sein, damit die Nazi-Täter ihre Verbrechen nicht mit der Aufrechnung von Grausamkeiten verharmlosen konnten. Über die Geschehnisse bei der Vertreibung kann jetzt berichtet werden, ohne dass gefährliche Rachegefühle gegen die hochbetagten oder schon verstorbenen Täter aufkommen.

Die Normalität ist bei der Berichterstattung noch nicht voll angekommen, sonst würden Dokumente wie das folgende Video nicht nur bei Verlagen erscheinen, deren Sortiment zum großen Teil aus Verschwörungstheorien und Esoterik besteht.

Klare moralische Verhältnisse in Bezug auf Verbrecher und heldenhafte Befreier gibt es wohl in keinem Krieg. Bekannte Kriegsberichterstatter haben das in einen Handbuch dokumentiert. (Leseprobe)
Kriegs- und Krisenberichterstattung: Ein Handbuch (Praktischer Journalismus)

Über kr

Konrad Rennert: Lieferant für Beiträge zum E-Learning und Social-Web. Als IT-Trainer und Coach ist er als Autor und Redakteur an vielfältigen Aufträgen rund um diese Thematik interessiert.
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